Eisbaden oder Winterbaden

Sind die denn verrückt geworden? Eine Mischung aus Respekt und Unverständnis schwappt denjenigen Männern und Frauen entgegen, die sich bei einstelligen Wassertemperaturen entblößen und ins fast gefrorene Wasser hüpfen. Warum das Eisbaden nicht zum Tode führt, sondern – glaubt man seinen Anhängern – sogar gesund sein soll, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Dass es den Schwimmern einen besonderes „Kick“ bringt, liegt dagegen auf der Hand.

Eisbaden macht Spaß - © Reinhard Grieger / pixelio.de

Eisbaden macht Spaß – © Reinhard Grieger / Pixelio.de

Kältereiz lässt den Körper Kopf stehen

Beim Eisbaden (oder beim Winterbaden bei niedrigen Temperaturen generell) laufen im menschlichen Körper verschiedene Prozesse ab, die eines gemeinsam haben: den Organismus vor sofortiger Auskühlung mit Todesfolge zu bewahren. Trifft der Kältereiz auf die Haut, mobilisiert der Körper in kürzester Zeit große Energiereserven. Für den Ernstfall gespeicherte Kohlenhydrate werden in Wärme umgewandelt. Zugleich weiten sich die Blutgefäße und versorgen nicht nur den Körperkern, sondern auch die unterkühlte Haut schnell mit warmem Blut.

Dieses extreme Ereignis ist für einen fitten, ans Eisbaden gewöhnten Menschen absolut unschädlich. Ob es sogar die Gesundheit fördert und das Immunsystem stärkt, ist aber umstritten. Einen wissenschaftlichen Beweis gibt es nicht!

Der wichtigste Anreiz für das Eis- und Winterbaden findet wohl im Kopf statt: Die Selbstüberwindung stärkt die eigene Psyche – und zudem schüttet der Körper im Kälteschock Adrenalin und andere Hormone aus. Wer von diesen Muntermachern innerlich geflutet wird, spürt keinen Schmerz, sondern ein Glücksgefühl.

Vorsichtsmaßnahmen

Gerade Anfänger unter den Eisbadern und Eisschwimmern sollten ihren Körper vorsichtig mit den neuen Herausforderungen vertraut machen. Kaltes Duschen und Wechselbäder gewöhnen den Organismus schon im Herbst an die extremen Temperaturen und trainieren die lebensnotwendige Kältereaktion. Wenn dann die Zeit fürs Eisloch oder den winterlichen See gekommen ist, sollte man langsam hineingehen anstatt zu springen.

Die Aufenthaltsdauer sollte fünf Minuten keinesfalls überschreiten. Hände und Kopf sind besonders empfindlich und bleiben am besten außerhalb des Eiswassers. Neoprensocken können die ebenfalls sensiblen Füße wärmen. Und wer seinen außergewöhnlichen Sport gemeinsam mit anderen Menschen ausübt, lebt im Unglücksfalle nicht nur länger, sondern hat auch mehr Spaß.

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