Badekappe – von der Pflicht zur Kür

Wenn es ein Symbol nostalgischer Schwimmästhetik gibt, dann ist dies die Badekappe. Sie entsprang dem Bemühen um saubere Schwimmbäder, verkörpert aber auch die Zucht und Ordnung des historischen Badewesens. Moderne Badekappen (die auch Schwimmkappen genannt werden) haben den „Mief“ der Nachkriegsjahrzehnte abgelegt und sind zu einem modischen und sportlichen Accessoire aufgestiegen.

Die Badekappenpflicht

Seit Mitte der 1960er-Jahre durfte kein unbekappter Langhaariger in ein deutsches Schwimmbecken steigen. Zunächst traf die Badekappenpflicht nur die traditionellen Träger von Langhaarfrisuren: die Frauen. Später sah man sich gezwungen, das Gebot auch auf Männer auszudehnen. Wer im Einzelfall als langhaarig zu gelten hatte, durfte der diensthabende Bademeister entscheiden, der damals noch unumschränkter Wächter über die Schwimmanstalten war.

Dabei war die Badekappenpflicht tatsächlich mehr als ein Zuchtmittel, sondern eine hygienische Notwendigkeit. Frühe öffentliche Schwimmbäder hatten gehörig mit Haaren und Schmutz zu kämpfen, die sich als schmieriger Film auf dem Wasser sammelten und das Badevergnügen erheblich dämpften. Als die Wasserfilter schließlich Fortschritte machten, verschwand zwar der ekelige Film, aber die langen Menschenhaare verstopften schnell die Filteranlagen. Da half nur, die Haare mittels Kappe an den Köpfen zu halten.

Seit den 1980er-Jahren ist die Filtertechnik so weit fortgeschritten, dass Haare und grobe Partikel kein ernsthaftes Problem mehr darstellen. Die Badekappenpflicht konnte fast überall abgeschafft werden.

Schwimmer mit Badekappe - © Albrecht E. Arnold / pixelio.de

Schwimmer mit Badekappe – © Albrecht E. Arnold / Pixelio.de

Moderne Badekappen

Trotzdem ist die Schwimmkappe heute mehr als ein Anachronismus. Da gibt es Kappen, die sich per Reißverschluss in eine Kulturtasche oder in einen Kosmetikbeutel verwandeln. Andere Kappen kommen im Retro-Look daher oder tragen freche Botschaften in die deutschen Spaßbäder hinaus. Für Schwimmsportler gehört die glatte, eng anliegende Kappe zu den kleinen Hilfsmitteln, die den menschlichen Körper schneller machen. Und zu guter Letzt schützt das Kunstfaser-Textil tatsächlich Frisur und Ohren vor dem Wasser – wenn Frau oder Mann das für wichtig halten.

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