Wassertreten und Kneippkuren

Einer der schillerndsten Wegbereiter der Naturheilkunde war der bayerische Pfarrer Sebastian Kneipp. Seinen Wohnort Wörishofen machte er Mitte des 19. Jahrhunderts zum Zentrum seiner auf Wasseranwendungen beruhenden „Kneipp-Medizin“. Vor allem das „Wassertreten“ hat bis zum heutigen Tag viele Anhänger – und in so genannten Kneippkurorten werden Kneipps medizinische Glaubenssätze in praktische Therapie umgesetzt.

Wassertreten - © Günter Havlena / pixelio.de

Wassertreten – © Günter Havlena / Pixelio.de

Umstrittene Heilkraft des Wassers

Wie viele Methoden der Naturheilkunde sind auch die Wasseranwendungen in der Schulmedizin teilweise umstritten. Sicher ist: Kalte Wassergüsse, Wassertreten und ähnliche Empfehlungen Kneipps regen den Kreislauf an. Ebenso belegt ist die positive Auswirkung des Wassertretens auf Krampfadern. Vermutlich ist der Kältereiz ebenfalls für das Immunsystem eher nützlich als schädlich. Auch von Therapieerfolgen bei Migräne wird berichtet. Größere Skepsis ist wohl angebracht, wenn das kalte Wasser orthopädische Beschwerden oder Nervenleiden lindern soll.

In Deutschland gibt es heute über 60 Kneippkurorte. Dort kommt der Patient auch in den Genuss weiterer, von Pfarrer Kneipp entwickelter Therapiekomponenten, die Vollwertkost, viel Bewegung und Heilpflanzen propagieren.

So geht Wassertreten

Besonders populär ist das Wassertreten. Typisch sind rechteckige Wasserbecken mit Treppe zum Ein- und Aussteigen sowie einer Führungsstange in der Mitte. Hier kann der Kneippende im Storchengang eine kurze Runde drehen. Genauso gut lässt sich das Wassertreten aber auch zu Hause im Swimmingpool, im Kinder-Planschbecken oder in einer einfachen Wanne durchführen.

Die Empfehlung der Kneipp-Mediziner lautet, dass das Wasser am besten nicht eiskalt ist, sondern Leitungstemperatur aufweist und bis zu den Kniekehlen reicht. In dem Becken geht man am besten etwa eine halbe Minute auf der Stelle. Dabei zieht man die Beine abwechselnd aus dem Wasser heraus und taucht sie mit den Fußspitzen voran wieder ein. Fühlen sich Füße und Unterschenkel sehr kalt an, sollte man aus dem Becken steigen und das Wasser „abstreifen“. Wenn sich die Extremitäten wieder erwärmt haben, kann man die Übung wiederholen.

Wer eine akute Infektionskrankheit hat, verzichtet lieber aufs Kneippen. Denn sonst bringt das kalte Wasser keine Heilung, sondern nur eine fette Erkältung. Auch bei Blasen- oder Nierenbeschwerden ist Wärme stets besser als ein Kältereiz.

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